SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2608 Release: Neuerungen und Highlights

SAP Cloud ERP 2608 Release

Das neue Release Update SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2608 ist verfügbar und bringt zahlreiche Verbesserungen und Innovationen mit. Wir bei ORBIS setzen voll auf SAP Cloud ERP und möchten Ihnen in diesem Blogbeitrag einige der wichtigsten Neuerungen und deren Nutzen für Unternehmen näher vorstellen.

Release Highlights SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2608 im Überblick

Mit der Version SAP Cloud ERP 2608 setzt SAP einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Autonomous Enterprise. Was bisher komplexe Integrationsprojekte zwischen verschiedenen Cloud‑Lösungen erforderte, wird künftig durch SAP selbst bereitgestellt und betrieben. Für Unternehmen bedeutet das: deutlich weniger Aufwand im Hintergrund und mehr Fokus auf das eigentliche Kerngeschäft.

Aufgaben wie Co-Provisining, funktionale und technische Integrationen, sowie das Lifecycle-Management laufen automatisiert im Hintergrund, sodass Unternehmen nicht länger selbst für die richtige Reihenfolge der Systembereitstellung, die technische Abstimmung oder Integrationslogik sorgen müssen. SAP stellt eine konsistente Gesamtlandschaft bereit und reduziert damit die Komplexität spürbar.

Ein zentrales Element dieser Neuerungen ist die blueprintbasierte Bereitstellung. Sie verändert das Bereitstellungs‑ und Integrationsmodell grundlegend:

  • Aktivierung einzelner Lösungen oder kompletter Suiten ohne manuelle Einrichtung
  • Vorkonfigurierte, durch SAP integrierte Systeme
  • Transparente Darstellung der gesamten Landschaft über die neue Suite‑Benutzeroberfläche in SAP for Me
  • Höhere Stabilität und Konsistenz durch eine zustandsbasierte Abstimmung der Anwendungen

Damit schafft SAP eine moderne Grundlage für ein durchgängiges, stabiles und wartungsarmes Cloud‑ERP‑Erlebnis und legt den Grundstein für eine vollständig integrierte Cloud‑Suite.

KI hält in weitere Geschäfts- und Projektprozesse Einzug

Business AI bleibt einer der zentralen Schwerpunkte des Releases 2608. SAP erweitert sowohl SAP Cloud ALM als auch operative Geschäftsprozesse um neue KI-gestützte Funktionen, die Anwender im Tagesgeschäft unterstützen und manuelle Tätigkeiten reduzieren.

Mit den neuen AI Assisted Tasks in SAP Cloud ALM lassen sich wiederkehrende Projektaufgaben effizienter bearbeiten. Ergänzend stellt SAP eine neue Prompt Library bereit, die vordefinierte Anleitungen für KI-Anfragen enthält. Projektteams können dadurch Inhalte und Dokumentationen schneller erstellen und ihre Produktivität steigern.

Auch in den Fachbereichen gewinnt Joule weiter an Bedeutung. So unterstützt der KI-Assistent unter anderem bei Wareneingängen, der Projektanlage sowie bei systemübergreifenden Planungs- und Verfügbarkeitsprozessen. Die KI wird damit zunehmend zu einem integrierten Bestandteil der täglichen Arbeit innerhalb von SAP Cloud ERP.

SAP Activate: Verbesserte Unterstützung für Implementierungs- und Upgradeprojekte

Mit dem Release 2608 erweitert SAP die Unterstützung für Implementierungs- und Transformationsprojekte. Die Vorbereitung von Fit-to-Standard-Workshops wurde um eine RACI-Matrix ergänzt, die Verantwortlichkeiten transparent darstellt und Projektteams bei der Planung und Durchführung unterstützt. Dadurch können Projekte strukturierter vorbereitet und Workshops effizienter umgesetzt werden.

Darüber hinaus wurden die Quality Gates innerhalb von SAP Activate weiter ausgebaut. Neue Inhalte, aktualisierte Checklisten und zusätzliche Quality-Gate-Checklisten in verschiedenen Roadmaps unterstützen Unternehmen dabei, Projektqualität systematischer sicherzustellen. Ergänzend erstellt der Continuous Quality Check Report in SAP Cloud ALM automatisch Protokolle auf Basis der beantworteten Checklisten und sorgt für mehr Transparenz über den aktuellen Projektstatus. Dies trägt dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Qualität von Implementierungsprojekten nachhaltig zu verbessern.

Extensibility

Für Erweiterungs- und Entwicklungsszenarien verbessert SAP die Navigation und Transparenz innerhalb des Release Assessments. Über den Bereich „Changed Extensibility Objects“ können Anwender direkt zu betroffenen Custom CDS Views navigieren und Änderungen schneller analysieren.

Zusätzlich erweitert SAP die lokale API-Abdeckung um mehr als 150 neue APIs. Dadurch stehen Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung, um Erweiterungen und Integrationsszenarien innerhalb ihrer SAP-Cloud-Landschaft umzusetzen. Diese können im SAP Help Portal sortiert nach Release nachgelesen werden.

SAP Cloud ALM

Auch SAP Cloud ALM erhält mit Release 2608 mehrere Erweiterungen für ein effizienteres Application Lifecycle Management. Die neue Dokumentversionierung sorgt dafür, dass veröffentlichte Dokumente nicht mehr verändert werden können und Änderungen jederzeit nachvollziehbar bleiben. Dies erhöht die Kontrolle über Projektartefakte und reduziert das Risiko unbeabsichtigter Anpassungen.

Mit AI Assisted Document Summary führt SAP zudem eine KI-gestützte Zusammenfassungsfunktion ein. Wesentliche Inhalte von Dokumenten werden automatisch komprimiert dargestellt, sodass Projektteams schneller auf relevante Informationen zugreifen können.

Neue Klassifizierungsfelder für Anforderungen, User Stories und Defects ergänzen das bestehende Tag-Management und schaffen zusätzliche Transparenz im Anforderungsmanagement. Dadurch lassen sich Inhalte strukturierter verwalten und einfacher auswerten.

Two-Tier ERP weitergedacht: Mehr Transparenz zwischen Tochtergesellschaft und Zentrale

Besonders spannend sind die Neuerungen im Umfeld von Two-Tier-ERP-Szenarien. Hier ermöglicht SAP erstmals eine Joule-basierte Verfügbarkeitsprüfung (Cross-System ATP Check) über Systemgrenzen hinweg. Unternehmen können damit Bestände einer Unternehmenszentrale und einer Tochtergesellschaft gemeinsam betrachten und bei Lieferentscheidungen berücksichtigen. Dies schafft mehr Transparenz über verfügbare Bestände, verbessert die Lieferterminermittlung (Delivery Date Commitment) und unterstützt eine effizientere Bestandsnutzung.

Two-Tier-ERP Joule
Quelle: SAP

Darüber hinaus ermöglicht die neue Cross-Tier Flexible Constraint Visibility einen Joule-basierten Zugriff auf Kapazitäts- und Mengenbeschränkungen, die im zentralen ERP-System (Tier 1) gepflegt werden. Produktionsplaner im Tier-2-System erhalten dadurch wichtige Informationen zu Materialien, Kapazitäts- oder Mengengrenzen für Material oder Produktionslinien und verfügbare Versorgungszeiträume direkt per natürlicher Sprache und können Planungsentscheidungen besser absichern.

Cross-Tier Flexible Constraint Visibility
Quelle: SAP

Ergänzt wird dies durch den neuen Quality Management Process für SAP Decentralized EWM. Qualitätsprüfungen können im Two-Tier-Szenario direkt im dezentralen EWM-System durchgeführt werden. Dadurch werden komplexe Lager- und Qualitätsprozesse unterstützt und gleichzeitig das zentrale ERP-System entlastet.

Quality Management Process für SAP Decentralized EWM
Quelle: SAP

Release Highlights SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2608: Fachbereichsbezogene Neuerungen

Vertrieb

Im Vertriebsumfeld erweitert SAP mit dem Release 2608 die Möglichkeiten zur Steuerung von Kundenaufträgen und internationalen Lieferprozessen. Eine wichtige Neuerung ist die Einführung eines Supply Blocks im Kundenauftrag. Wird dieser aktiviert, wird die bestätigte Menge während der Verfügbarkeitsprüfung auf null gesetzt und es werden keine Bedarfe an die Materialbedarfsplanung (MRP) übergeben. Dadurch können Unternehmen verhindern, dass logistische Folgeprozesse zu früh angestoßen werden. Die Funktion kann über Custom Logic, APIs oder entsprechende Einstellungen im CBC konfiguriert werden und bietet insbesondere bei komplexen Auftrags- und Freigabeprozessen zusätzliche Flexibilität und Kontrolle.

Darüber hinaus unterstützt SAP künftig die Erstellung von konzerninternen Pro-forma-Rechnungen für den erweiterten konzerninternen Vertrieb. Die Pro-forma-Rechnung kann auf Basis der Auslieferung erstellt werden und dient als Nachweis über den Warenwert für Zollbehörden, noch bevor die eigentliche konzerninterne Rechnung erstellt wird. Da es sich nicht um eine zahlungsrelevante Rechnung handelt, steht dabei vor allem die Unterstützung von Export- und Zollprozessen im Vordergrund. Unternehmen profitieren von einer besseren Einhaltung regulatorischer Anforderungen und können den manuellen Aufwand bei der Erstellung von Zolldokumenten reduzieren.

Sourcing and Procurement

Im Beschaffungsumfeld stehen mit Release 2608 vor allem Effizienz und Benutzerfreundlichkeit im Fokus.

Anhänge in der Lieferantenbestätigung: Dokumente können künftig direkt in Lieferantenbestätigungen gespeichert werden und stehen damit zentral für die weitere Bearbeitung zur Verfügung. Da die Ablage sowohl auf Kopf- als auch auf Positionsebene möglich ist, können relevante Unterlagen einfacher gefunden und nachverfolgt werden. Dies reduziert Rückfragen und verbessert die Transparenz im Beschaffungsprozess.

Benutzerdefinierte Felder bei Massenänderungen: Änderungen können gleichzeitig über mehrere Bestellungen hinweg vorgenommen werden, ohne jeden Beleg einzeln bearbeiten zu müssen. Unternehmen profitieren von einer schnelleren Datenpflege und einer höheren Konsistenz ihrer Einkaufsprozesse.

Wareneingang und Leistungserfassung über Joule: Auch Joule findet seinen Weg in operative Beschaffungsprozesse. Waren- und Leistungseingänge können direkt über den KI-Assistenten bestätigt werden. Relevante Bestelldaten werden unmittelbar angezeigt, wodurch Anwender weniger zwischen unterschiedlichen Anwendungen wechseln müssen und Eingänge schneller bearbeiten können.

Wareneingang und Leistungserfassung über Joule
Quelle: SAP

Produktion

Im Bereich Produktion unterstützt SAP Unternehmen künftig stärker bei der Verwaltung von Stammdaten und Produktionsaufträgen. Der angekündigte Production Master Data Readiness Agent (in Q4) analysiert Materialstammdaten, identifiziert Optimierungspotenziale und kann Änderungen direkt im Materialstamm vornehmen. Dadurch lassen sich Stammdatenqualität und Datenpflege weiter verbessern.

Zusätzlich erweitert SAP die Funktionen rund um geplante Aufträge und Produktionsaufträge. Verbesserungen bei der Verfügbarkeitsprüfung von Komponenten sowie bei der Umwandlung geplanter Aufträge in Produktionsaufträge unterstützen eine effizientere Produktionsplanung und -steuerung.

Production Master Data Readiness Agent
Quelle: SAP

Engineering

Im Engineering-Bereich steht die Beschleunigung projektbezogener Prozesse im Vordergrund. Mit dem Project Setup Agent (1NT) können Projekte direkt über Joule angelegt werden. Dadurch reduziert sich der manuelle Erfassungsaufwand und neue Projekte können schneller gestartet werden.

Erweiterte Funktionen für Projektplanung und Terminierung (6JN) sowie Verbesserungen im Request Assignment Management (6JO) unterstützen Unternehmen zusätzlich bei der Verwaltung von Ressourcenanforderungen und Ressourcenzuweisungen. Projektverantwortliche profitieren von einer strukturierten Planung und einer effizienteren Steuerung ihrer Projektressourcen.

Projektplanung und Terminierung

Supply Chain Management

Auch im Supply Chain Management stehen Transparenz und Prozesssicherheit im Mittelpunkt. Die App „Monitor Handling Units“ (F4557) wurde um neue Filtermöglichkeiten (Plant-/Storage-Location-Filter auf HU-Item-Ebene) und eine verbesserte Darstellung erweitert. Dadurch erhalten Anwender einen besseren Überblick über Handling Units und die zugehörigen Bestände.

Im Batch Management verbessert SAP die Fehlerbehandlung bei der Chargenklassifizierung. Fehler lassen sich künftig einfacher analysieren und technische Probleme werden transparenter dargestellt. Dies unterstützt eine stabilere Verarbeitung von Chargendaten und erleichtert die Ursachenanalyse.

Für das Serial Number Management wurden zusätzliche Filter- und Analysefunktionen ergänzt. Anwender können Fehler schneller identifizieren, detaillierter analysieren und direkt in die zugehörige Fehleranalyse navigieren (F8046). Dies verbessert die Nachvollziehbarkeit insbesondere in Qualitäts- und Serviceprozessen.

Eine weitere Neuerung ist die App „Analyze BOP Runs“ (F2159A), mit der Unternehmen ihre Backorder-Processing-Läufe detaillierter analysieren können. Prozentuale Bestandsänderungen, Bestandsumverteilungen und Vorher-Nachher-Vergleiche schaffen zusätzliche Transparenz in der Verfügbarkeitssteuerung.

SAP Logistics Management Integration

Ein weiteres Highlight im Bereich Supply Chain Management ist die neue Integration von SAP Cloud ERP mit SAP Logistics Management auf der SAP Business Technology Platform (SAP BTP). Damit erweitert SAP die Vernetzung logistischer Prozesse innerhalb der Cloud-Landschaft und baut die Integration zwischen ERP- und Logistikprozessen weiter aus.

Finance

Im Finanzbereich erweitert SAP die Möglichkeiten für die Verwaltung von Immobilienobjekten. Mit neuen Funktionen für Cost Settlements können Nebenkosten wie Energie-, Versicherungs- oder Wasserkosten von Immobilien auf Mieter verteilt und abgerechnet werden. Die zugehörigen Anwendungen unterstützen Unternehmen dabei, entsprechende Abrechnungsprozesse effizient abzubilden.

Auch in der Anlagenbuchhaltung gibt es Neuerungen. Abschreibungsprofile ersetzen künftig die bisherigen Abschreibungsschlüssel und schaffen mehr Flexibilität bei der Verwaltung von Abschreibungslogiken. Unternehmen können dabei auf bereitgestellten Profilen aufbauen und diese über entsprechende Kopien an ihre Anforderungen anpassen.

Ein Fazit

Das Release Update SAP Cloud ERP 2608 bietet zahlreiche Neuerungen: darunter nicht nur technische Optimierungen, sondern eine Vielzahl an Innovationen und neuer KI-gestützter Funktionalitäten. Unternehmen profitieren von einer enger verzahnten Cloud-Landschaft, neuen Automatisierungsmöglichkeiten in Projekt- und Fachprozessen sowie einer höheren Transparenz über System-, Bestands- und Prozessgrenzen hinweg.

Besonders die Neuerungen rund um die blueprintbasierte Bereitstellung, die erweiterten SAP-Activate- und Cloud-ALM-Funktionen sowie die neuen Joule-basierten Szenarien zeigen, wie SAP die Nutzung von Cloud ERP kontinuierlich vereinfacht und gleichzeitig die Produktivität der Anwender steigert. Ergänzend sorgen zahlreiche Optimierungen in Beschaffung, Produktion, Engineering, Supply Chain Management und Finance dafür, dass Unternehmen ihre Prozesse effizienter, transparenter und skalierbarer gestalten können.

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AUTORIN
Anna Jung, ORBIS SE
AUTORIN Anna Jung Operations Lead – S/4HANA Public Cloud, ORBIS SE
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